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Wärmepumpe im Altbau: Lohnt sie sich wirklich? Die komplette Rechnung

Wärmepumpe im Altbau? „Never", sagen die einen. „Geht super", sagen die anderen. Beide können nicht recht haben – oder doch? Wir haben ein Testhaus genommen: Baujahr 1965, dicke Wände, alte Heizkörper, keine Sanierung. Genau das Haus, bei dem die meisten sofort abwinken. Und sind der Wärme auf ihrem Weg gefolgt, um herauszufinden, was wirklich entscheidet.

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Die Fraunhofer-Studie: 77 echte Anlagen, vier Jahre lang vermessen

Das Fraunhofer-Institut hat 77 echte Wärmepumpen-Anlagen vier Jahre lang im Feld vermessen. Ergebnis: im Schnitt eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4 bis 3,5 bei Luft-Wärmepumpen – aus 1 kWh Strom werden also gut 3,4 kWh Wärme. Sole-Wärmepumpen liegen sogar bei über 4, sind aber durch Bohrung, Flächenkollektor oder Brunnen in der Anschaffung deutlich teurer. Die wichtigste Erkenntnis für Altbau-Besitzer: Das Baujahr des Hauses hatte praktisch keinen Einfluss auf die Effizienz.

Was wirklich zählt: Heizkörpergröße und hydraulischer Abgleich

Wenn nicht das Baujahr entscheidet – was dann? Zwei Dinge: die richtige Heizkörpergröße und der hydraulische Abgleich. Der Grund liegt in der Vorlauftemperatur. Eine Fußbodenheizung braucht nur rund 30 Grad, um ein Zimmer warm zu bekommen. Alte Heizkörper aus den Sechzigern sind dagegen oft auf 55 bis 70 Grad ausgelegt. Und je höher die benötigte Vorlauftemperatur, desto mehr Strom braucht die Wärmepumpe – bei einem Sprung von 70 auf 55 Grad verliert ein Heizkörper etwa die Hälfte seiner Leistung, die Heizfläche muss also fast verdoppelt werden, wenn man mit niedrigerer Temperatur fahren will.

Heizlast einschätzen: zwei Methoden

Als groben Anhaltspunkt gilt: Ein unsanierter Altbau vor 1980 braucht oft mehr als doppelt so viel Heizleistung pro Quadratmeter wie ein heutiger Neubau. Das ist eine Faustformel, keine Berechnung – eine echte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 macht der Installateur oder Energieberater. Als zweiten Anhaltspunkt kann man den bisherigen Verbrauch heranziehen, allerdings nur, wenn das Haus schon durchgehend auf voller Temperatur beheizt wurde (20 Grad in Wohnräumen, 24 Grad im Bad). Wurde bisher gespart oder nur teilweise geheizt, muss der Verbrauch erst hochgerechnet werden.

Der 55-Grad-Test – und warum ihn die meisten falsch machen

Ein bekannter Praxis-Check: Vorlauf auf 55 Grad begrenzen, Heizkörper voll aufdrehen, zwei Stunden warten und prüfen, ob die Räume warm werden. Der Haken dabei, den viele übersehen: Diese 55 Grad sind die Auslegungstemperatur für den kältesten Tag des Jahres – die sogenannte Normaußentemperatur der Region, zum Beispiel −11 Grad. Bei milderem Wetter fährt die Heizung über die Heizkurve automatisch mit deutlich niedrigerem Vorlauf. Der Test ist also nur bei echtem Winterwetter nahe der Normaußentemperatur aussagekräftig. Bei milderen Temperaturen muss mit einem entsprechend niedrigeren Vorlauf getestet werden, sonst fällt das Ergebnis zu positiv aus.

Die drei möglichen Ergebnisse

  • Über 20 Grad erreicht: alles gut, kein Tausch nötig.
  • 18 bis 19 Grad: ein paar einzelne Heizkörper austauschen reicht meist aus. Für einen typischen Teiltausch von drei bis fünf Heizkörpern liegt man oft im niedrigen vierstelligen Bereich – deutlich günstiger, als viele erwarten.
  • Deutlich darunter: es braucht einen größeren Umbau, etwa in Richtung Fußbodenheizung.

Wer den Umbau scheut, hat noch eine Alternative: wärmepumpenoptimierte Heizkörper mit eingebautem Gebläse, ähnlich einem PC-Lüfter. Sie geben auch bei niedrigem Vorlauf viel Wärme ab – brauchen dafür aber einen eigenen Stromanschluss am Heizkörper.

Die Vollkosten-Rechnung: Gas vs. Wärmepumpe

Am Beispielhaus mit rund 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr, 12 ct/kWh Gaspreis und 34 ct/kWh Strompreis, sieht die komplette Rechnung – nicht nur der reine Verbrauch, sondern inklusive Grundgebühr, Wartung und Schornsteinfeger – so aus:

Gasheizung Wärmepumpe
Arbeitspreis12 ct/kWh34 ct/kWh
Verbrauch / Strombedarf22.222 kWh ≈ 2.667 €5.714 kWh ≈ 1.943 €
Grundgebühr180 €/Jahr
Wartung180 €/Jahr225 €/Jahr
Schornsteinfeger≈ 70 €/Jahrentfällt
Gesamt≈ 3.100 €/Jahr≈ 2.170 €/Jahr

Angenommen ist dabei eine Jahresarbeitszahl von 3,5 (Luft/Wasser). Unter dem Strich bleibt eine Ersparnis von rund 930 €/Jahr. Ein Mythos vorweg, den diese Rechnung schon berücksichtigt: Wärmepumpen sind nicht wartungsfrei. Beide Systeme brauchen eine jährliche Wartung durch den Fachbetrieb.

Anschaffungskosten mitrechnen: Für den Umstieg selbst gibt es zusätzlich KfW-Förderung. Mit dem HeizWissen-Förderrechner bekommst du in 4 Schritten eine unverbindliche Schätzung deines Zuschusses – mehr dazu im Artikel zur Heizungsförderung 2026.

Amortisation

Bei rund 930 € Ersparnis im Jahr holt die Wärmepumpe ihre höheren Anschaffungskosten nach Förderung tendenziell schneller wieder rein, als oft angenommen wird. Wie schnell genau, hängt von der tatsächlichen Mehrinvestition im Einzelfall ab – das rechnet der Installateur am besten konkret vor.

Wichtiger Hinweis: Alle Zahlen sind eine Beispielrechnung, Stand Juli 2026, ohne Gewähr. Eure eigenen Tarife und euer eigenes Haus können abweichen. Eine echte Heizlastberechnung macht euer Installateur oder Energieberater.

Unterm Strich: In den meisten Fällen lohnt sich eine Wärmepumpe auch im Altbau – nicht wegen des Baujahrs, sondern wenn Heizkörpergröße und hydraulischer Abgleich passen. Wie der hydraulische Abgleich genau funktioniert, klären wir im nächsten Video. Grundlagen gefällig? Hier erklären wir, wie eine Wärmepumpe funktioniert. Abonniere HeizWissen auf YouTube, dann bist du beim nächsten Thema dabei.